Rainer Maria Rilke – Der Wahnsinn

strophe1Das Gedicht wurde mir vor ein paar Wochen gezeigt und ich hab es auf Anhieb geliebt. Besonders die dritte Strophe hat mich sehr berührt, weil ich gerade nur zu schmerzhaft zu verstehen beginne, was Abhängigkeit eigentlich bedeutet. Was lag also näher, als dazu eine Illustration zu machen? Ich bin komischerweise erst heute auf das Konzept der „Kunstgedichte“ gestoßen, wobei zu einem Kunstwerk ein Gedicht gemacht wird – das ist quasi die Umkehrung.

Die Idee für das Gesamtkonzept hatte ich in einer Leerlauf-Phase vor dem Rückflug von einer Geschäftsreise und habe da schon eine erste Skizze gemacht. Die Ausführung folge am letzten Wochenende, wobei das Bild als Gesamtheit nicht mehr in gängige Formate gepasst hat und sich auch überhaupt weigert, ein Rechteck zu sein.

Die Schrift direkt mit einzubinden und als Teil des Bildes zu nutzen, ist ein Test. Den Mut dazu verdanke ich der wundervollen Emily Carroll, die das ganz meisterhaft versteht und deren Horror-Kurzgeschichten-Comic-Sammlung „Through the woods“ ich nur weiter empfehlen kann.

 

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Etwas das uns gehört

fight-leave-secondIch habe vor ungefähr zwei Jahren eine Kurzgeschichte verfasst, bei der ich mich sehr stark von meinen Gefühlen leiten ließ – emotionales Ausgekotze, wenn man so will. Heute handelt sich eher um eine Liebeserklärung. Da ich es traurig fand, eine Liebeserklärung nicht dem zukommen zu lassen, für den sie gedacht ist (ich habe immer so eine traurige Bemerkung aus Etiembles „Lob eines Körpers“ im Kopf) habe ich die Geschichte diesen Sommer überarbeitet und sie im September abgegeben, selbst wenn mir bewusst ist, dass es sich um das Postscriptum meiner Gefühle handelt. Ein Teil findet sich unter dem obigen Link. Die Form besteht aus drei verschiedenen Erzählarten: das eine ist eine klassische Kurzgeschichte in der Jetztzeit aus Sicht eines allwissenden Erzählers, diese wird zum einen durch die Protagonistin selbst in Reflektionen oder Einwürfen kommentiert sowie auch durch den Autor, der die Handlung auf seine Art in eigenen Kurzgeschichten spiegelt oder auch vorweg nimmt. Jede dieser Kurzgeschichten in der Geschichte ist in einem anderen Stil verfasst (Satire, Horror, Märchen und Liebesbrief), gleichzeitig wird die Diskussion über Autorenschaft an sich auf der Metaebene durch die Protagonistin selbst als imaginärer Dialog geführt. Tatsächlich habe ich mir hier das erste Mal sehr viele Gedanken darüber gemacht, wie die Geschichte aufgebaut sein soll, die große Handlung sowie auch die Handlung jeder Kurzgeschichte…

Teesittich

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Die Idee für die Zeichnung entstammt einem Traum, den ich vor einer Weile hatte. Ich war mit einem Vater und einem seiner Freunde in einem seltsamen Haus, das ich sehr unbequem fand. Mein Vater war aufgeregt und sein Freund beruhigte ihn des Öfteren, der Grund der Aufregung war mir nicht klar. Ich selbst trank Tee aus einer meiner Lieblingsschalen. Auf dem Teetisch lag die Zeichnung eines Wellensittichs, der dem Naturalismus entgegen das Gefieder einer Taube hatte. Ich verschüttete Tee und die Zeichnung wurde nass, der Sittich erwachte daraufhin zum Leben, dort wo der Tee ihn benetzt hatte. Um ihn zum Fliegen zu bringen, nahm ich einen kleinen Löffel und flößte ihm damit mehr Tee ein.

Die Zeichnung selbst ist ein 15x8cm großes Aquarell mit Tusche.

Verlustmeldung

sookieDu, der du letzte Nacht mein Rad gestohlen hast, Mensch ohne Herz, sollst wissen, dass ich sehr viel länger heute morgen darüber geweint habe, dass meine Sookie weg ist, als du gebraucht hast, um das Schloss zu knacken und sie mir wegzunehmen. Ich hoffe, dass du sie wenigstens gut behandelst.

[Zwischen 21 Uhr am 27.07.2016 und 05:20 Uhr am 28.07.2016 wurde ein orangenes 26er Damenrad mit ledernem Sattel und Lenker, genannt Sookie, vor dem Kissingenstadion in Pankow gestohlen.]

Voller Sorge – die Besitzerin

Sommerblumen

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Die heimliche Stille  unter den Kastanien von Regentropfen entdeckt,
der Duft der Erde zwischen den Gräsern hervor gelockt,
ein Lied, das selbst die Wolken übertönt,
die die verschränkten Finger ein paar Sonnenstrahlen ergeben,
Schätze, die nur auf den Blättern der Kastanie glitzern

Seit meiner Schulzeit hatte ich nicht mehr so viel Lust mit Ausziehtusche zu arbeiten. Diesmal habe ich mir den Buchweizen und den Amarath auf meinem Balkon vorgenommen und hatte Spaß bis ein Sommerregen den Morgen in einen unirdischen Moment verwandelte und die Bäume mit mir zu reden schienen.

Traum von der goldenen Frau

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Ich hatte vor einer Weile den Traum, dass ich in einer Kirche war. Bei mir war eine Frau, sie war sehr schön, weise und weiblich und trug in der Hand eine Schüssel mit goldener Farbe. Sie bemalte mich mit der Farbe und sparte dabei nur die Brüste aus. Dann reichte sie mir die Farbe und sagte: Den Rest musst du allein machen.

Ich bin nicht ganz zufrieden mit der Ausführung, es erinnert mich zu sehr an Gauguin. Außerdem war das Handling der goldenen Tusche nicht so einfach, da die Kupfer/Zink-Teilchen im Flakon immer auf den Boden sinken und ich erst nach ein paar Versuchen rausfand, dass bloßes Schütteln nicht reicht, um sie zu lösen. Der Rest ist Aquarell und Ausziehtusche.

Geschenke

Die schönsten, die ich bekomme, sind immer diejenigen, die unerwartet kommen.

Dieses hier, bekam ich schon vor einer Weile, etwas ungewohnt, ausnahmsweise mal Modell zu sein als selbst abzubilden. Dankeschön an die großartige, feinfühlige, scharfäugige Lara für das Überspringen der Angst im Dunkeln und fürs Dahinterschauen.

Das erreichte mich heute morgen und ich nehme an, das Original kommt sobald die Post endlich so weit ist. Mein Dank gilt der bewundernswerten, liebenswerten und visionären Gabriel für ihren Glauben und die Unterstützung und dafür, dass was wir sehen nicht immer das ist, was es zu sein scheint.