Kunst und Kontext

Ich mache mir ja häufiger so meine Gedanken darüber, ob die größere Kunst darin liegt, dass ein Kunstwerk ohne Kontext funktioniert – also jeder schaut es an und versteht und rezipiert es auf eine ähnliche Weise oder aber den Betrachter spüren zu lassen, was ich fühlte, dachte und sagen wollte. Illustrationen muss ich hier mal ganz bewusst ausnehmen, da sie tatsächlich Kunst im Kontext par excellence sind, sie sind quasi Kunst, die direkt für einen Kontext hergestellt wird.

Außerdem habe ich es immer interessanter gefunden, Wege mit zu beleuchten, anstatt einfach nur ein Endergebnis zu haben.

Mit dem „Tabernakel“ haben wir also einen neuerlichen Versuch. Lara Wilde arbeitete diesen Sommer an einer Bilderserie mit Lochkamera- Objektiv zum Thema Erinnerungen. Sie schickte mir damals einen Teil der Fotos, weil sie überlegte, welche Auswahl sich am besten zu der Serie zusammenfassen lassen würde.

Die Ansichten führten bei mir allerdings eher dazu, dass ich mit Worten statt mit Bildern spielen wollte. Es kamen ein paar kleinere Gedichtfetzen dabei heraus. Zu dem ursprünglichen Foto war es das folgende Fragment:

Was soll ich mit dem Baum und mit dem Haus?
Hinter den ewig toten Fenstern
schauen nur Mumien und Motten
ob schon der neue Morgen angebrochen ist.

Ich hatte Lust, mit Fotodrucken auf Aquarellpapier herum zu experimentieren, also ließ ich dieses Foto drucken. Obgleich ich mich in diesem Fall noch nicht traute, wirklich mit Farbe Hand anzulegen (in einem anderen Fall habe ich diese Scheu inzwischen überwunden), entstand aus dem Fotodruck die Blattstruktur. Für das gezeichnete Haus im „Hintergrund“ ließ ich mich von den Linien, die ohnehin schon in der Fotografie waren, leiten und entwarf die Fenster und Türen, die durch die Blattrippen hindurch schimmern. Die Motten sind dann eine Bezugnahme auf das Gedichtfragment.

Der Titel „Tabernakel“ kam zustande, weil sich das Bild tatsächlich zum Teil öffnen lässt und so dann Motten und weitere Details freigibt. Ob es sich bei dem Freigegebenen tatsächlich um etwas Heiliges handelt? Für mich hat die ganze Thematik „Erinnerung“, „Erbe“, „Alte Häuser“ viel mit dem Weitergeben eines Vermächtnisses zu tun, es ist ob wir es wollen oder nicht ein Teil von uns.

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