Frau Frühling

fraufrühlingIn meinem Bett ist es noch kalt.
Wenn ich mich zwischen den Schichten aus Daunen vergrabe,
ertasten meine Zehen Kühle.

Doch neulich bin ich nachts erwacht,
denn Frau Frühling hatte sich in mein Zimmer geschlichen
und hatte mich auf die Stirn geküsst.

Der Mond hing noch über der Birke,
doch gerade war eine Amsel aus ihrem Nest geschlüpft
und rief das Morgenrot am Himmel.

Ich folgte Frau Frühling hinaus auf die Wiese,
wo sie das Ohr auf das Gras des Vorjahres legte
und den Trieben lauschte, die durch das Erdreich brachen.

Auch ich lauschte
mit der Wange auf dem feuchten Boden,
es knisterte und die Triebe kitzelten meine Haut.

Ich hörte wie sie neben mir leise atmete
und es war wie ein Wind,
der die Äste in dieser ersten lauen Nacht bewegte.

Die Musik des Morgens schwoll an.
Da legte Frau Frühling etwas in meine Hand,
bevor sie mir zum Abschied winkte.

Mit klammen Zehen kletterte ich zwischen meine Federschichten
und öffnete vorsichtig die Hand: Ein Samenkorn lag darin.
Was wohl aus ihm werden will?

Advertisements

Ein Gedanke zu “Frau Frühling

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s