Die Einsamkeit des Ölmannes

Filme haben ja oft so die Angewohnheit, dass man sie empfohlen bekommt, meine Liste ist inzwischen recht lang. Manchmal habe ich Zweifel, ob die Personen, die sie mir empfahlen mir damit einen Gefallen tun oder einfach nur den Abend versauen wollten… gestern hatte ich ein Erlebnis und weiß nicht mal mehr, bei wem ich mich dafür bedanken soll. Ich habe völlig wahllos zu Paul Thomas Andersons „There will be blood“ gegriffen, dachte mir, ich mache ihn aus, wenn es mir zu blöd wird. Pustekuchen. In den ersten zehn Minuten wird kein Wort gesprochen, nur ein einsamer Mann in einem Loch im Boden, der gräbt und Jonny Greenwoods fantastische Musik.

Als mir die Ober-Thematik (Aufbruch Amerikas in das Ölzeitalter) klar wurde, die mich eigentlich auch nicht interessiert, wollte ich dennoch nicht ausmachen. Daniel Day-Lewis ist als charismatische Hauptfigur Daniel Plainview so überzeugend, dass man richtig erschrocken ist, als er einem Betrüger eingesteht, er wolle nur reich werden, um keinen Menschen mehr sehen zu müssen. Welchen Antagonisten kann man einem solchen Mann noch entgegensetzen? Die Antwort ist irgendwo logisch: Gott. Sein mächtiger Arm wird hier verkörpert vom Prediger Eli Sunday, dem Oberhaupt der Kirche der dritten Offenbarung und man ertappt sich tatsächlich immer wieder bei dem Gedanken: Passieren die Wendungen in diesem Film wirklich ohne Elis Zutun? Hat Gott ein Problem mit den Ölmännern?

Die Musik hat es mir hier wirklich so angetan, dass ich schaute, ob Jonny Greenwood neben seiner Gitarristen-Karriere in der Band Radiohead, noch weitere Scores gemacht hat, „Inherent Vice“ habe ich sogar gesehen, obwohl ich so müde dabei war, dass ich zeitweise dachte, ich wäre selbst in einem Irrenhaus und nicht im Kino. Meine Recherche heute morgen zu dem Film brachte mich auf die immer mal wieder in meinem Kopf auftauchende Glasharmonika (der für mich unheimlichste und faszinierendste Klang, der je von einem Instrument erzeugt wurde, übertrifft sogar das Theremin) und den Künstler Wintergatan – vielen Dank wer auch immer mir damals „There will be blood“ empfohlen hat.

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