Aufnahmefähig

Man kommt anscheinend nicht an den Filmen von Peter Greenaway vorbei, wenn man sich mit dem Medium an sich beschäftigt. Samstagabend habe ich mir das dritte Mal eines seiner Werke angetan. Angetan trifft es wirklich: Mein erster Fehler war, dass ich noch nicht aufgegessen hatte.
Während ich bei anderen „anstrengenden“ Filmen – zum Beispiel „Oldboy“ – oft auf Grund ihrer fremdartigen (da aus einer anderen Kultur stammenden) Symboliken nur noch dem was gesagt und getan wird, folgen kann, ist es bei Greenaway so, dass er mir geläufige Symbole auf so verstörende Art zusammensetzt, dass ich mich fragen muss, welch einer Kultur ich überhaupt angehöre.

Beinahe hätte ich vergessen zu erwähnen, welchen Film ich überhaupt sah: „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“. Die Kombination der Thematiken Essen, Gewalt und Sex wird in einem lagerhausartigen Komplex vorgeführt, aus dem keine der Figuren je völlig ausbricht. Über Gaultiers Kostüme kann man alles oder nicht viel sagen und auch nicht über die wundervolle Frau (Helen Mirren), für die sie hauptsächlich gemacht sind, um ihr Eingesperrtsein, ihre Scham, ihre Verletzlichkeit und die immer wieder darunter hervorscheinende „andere Frau“ zu unterstreichen oder ihr überhaupt erst ans Licht zu helfen. Der Lagerhaus-Komplex, in dem das Restaurant angelegt ist, wird in unterschiedlichen Farben beleuchtet (sogar die Kostüme von Georgina wechseln die Farbe, wenn sie die Räume wechselt), obwohl beleuchtet nicht das richtige Wort ist: Sie werden in Licht getaucht, das überall wohin man schaut in tiefe schwarze Schatten ausläuft, wo werweißwas drin lauern könnte. Über die Hauptfigur Albert muss ich fat völlig schweigen, da ich mit jedem Wort den Ekel ausdrücken müsste, den ich empfand – ich konnte den Schauspieler (Michael Gambon, der den Dumbledore in den Harry-Potter-Verfilmungen verkörpert) nicht von seinem Sujet trennen und hasste ihn gleichermaßen. Es ist ein Film, der gefühlt und gesehen werden muss – aber nur auf nüchternen Magen.

Ich hatte mich, obwohl ich beim Suchen in der Videothek eine Weile rumgeirrt war, sehr auf „The nice guys“ gefreut. Ich mag die Arbeit von Shane Black, die Komplexität, mit der er verschiedene Geschichten zu einer Verbindet und den Humor, der jede Geste und jeden Satz durchzieht. Außerdem finde ich seine Darstellung von „Männerfreundschaften“ fantastisch – hier also auch wieder in männliches Gespann (Russell Crowe und Ryan Gosling) und Charakterbösewichte. Sollte sich mal irgendwer fragen, wer zuerst auf die Idee gekommen ist, Killern so irre Namen wie Blueface oder Johnboy zu geben, ich bin mir sicher, das war Shane Black… oder vielleicht Paul McGuigan (siehe „Lucky#Slevin“ die Schwester oder Mr. Gold) Ich bekam, was versprochen wurde und die eine oder andere überraschende Plotwendung.

Mein lautes Lachen gehörte jedenfalls meiner zufälligen Wahl „Austenland“. Welche Frau hat nicht schon mal in einer dieser Psychosen festgesteckt, in denen sie glaubte, irgendwo da draußen gäbe es einen echten Traumprinzen, einen Mr. Darcy – feinsinnig, reich (an Verständnis natürlich) und so dermaßen verliebt, dass er anfängt vor Höflichkeit zu stottern, wenn seine zugeknöpfte Sprache mit ihm davon rennt? Wahrscheinlich ist es heilsam in einer solchen Gefühlskrise (irgendwann ist man nämlich über 30 und unverheiratet – Moment, das gehört hier nicht her…) in Korsetts geschnürt zu werden, dekorativ zu sticken und Konversation zu treiben oder auf ausgestopfte Vögel zu schießen. Noch heilsamer ist es, sich mimisch begabte Darstellerinnen des White-Trash-Prototyps wie Jennifer Coolidge anzuschauen, die auf der Pirsch jegliche don’t touch-policy vergessen und dann schon mal arme Schauspieler überfordern… ach ja, ich vergaß zu erwähnen: „Austenland“ ist ein Themenpark, der von Jane Seymour als Psychobitch mit Spitzenhaube geführt wird und jedem sein Happy-End gibt, ob er/sie nun will oder nicht. Das als „Frauenfilm“ zu bezeichnen, wäre bis auf das allzu vorhersehbare Ende unfair. Definitiv eine der besten Komödien (neben „Easy A“ und „Kiss Kiss Bang Bang“), die ich bisher gesehen habe.

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