Geräuschempfindlich

Mein Videothekar überraschte mich am Freitag mit dem Satz „Den Film hattest du aber schon mal.“ Worauf ich wahrheitsgemäß sagte, ich könnte mich nicht an Louis Malles „Damage“ erinnern. Er grinste mich an und sagte: „Du kannst ruhig zugeben, dass du dabei eingepennt bist.“ Muss ich wohl sein, als ich mir den Trailer nochmal ansah, fiel mir dann auch wieder dieses wundervolle Zitat auf:

„Damaged people are dangerous because they know they can survive.“

Zu dem Zeitpunkt, als ich den Film das erste Mal sah, hätte ich diesen Satz genauso unterschreiben können. Außer den abgründig schönen Charakteren fand ich die Geschichte bis auf den Schluss nicht so besonders, vermutlich ging es darum auch nicht, also um die Geschichte. Aber ich weiß, dass ich ihn mir versehentlich vielleicht auch noch ein drittes Mal ausleihen werde; genau wie Steve McQueens „Shame“.

Hingegen war „Stoker“ von Chan-Wook Park dann so eindrücklich, dass ich heute morgen noch eine Stunde glücklich mit meinen Erinnerungen an den Film im Bett lag. Der Film ist audio-visuell nicht nur im Sinne des Mediums Film, sondern das Bild und der Ton wurden beide explizit und punktgenau eingesetzt, so dass sie (würde ich jetzt mal behaupten) auch getrennt voneinander die Geschichte tragen könnten. Der Plot hat mich an „Dexter“ erinnert, die Stimmung an „Atonement“ und „Pans Labyrinth“ – eine ruhige Art von Traurigkeit gepaart mit unterschwelliger Spannung, die nur manchmal durch Nicole Kidmans zu starkes Spiel unterbrochen wird. Letztendlich passt es jedoch im Gesamtkontext wieder zu der Mutter-Tochter-Beziehung, die hauptsächlich von Eifersucht und Berührungsängsten geprägt ist. Dieses Thema sieht man leider nicht so oft, was ich sehr schade finde, ich habe den Eindruck, dass die Beziehung zwischen Müttern und Töchtern im europäischen und amerikanischen Kino gern idealisiert und somit die darunter schwelenden Konflikte auch im gesellschaftlichen Kontext unter den Tisch fallen. (Zum Beispiel: Sobald ein Mädchen erwachsen und zur Frau wird, tritt es unweigerlich mit der Mutter in Konkurrenz.)

Dadurch dass von Anfang an das Haus als Theaterbühne installiert wird, ist es hier wunderschön den Zeitwechseln zu folgen, was ich manchmal in anderen Filmen, die bewusst damit arbeiten anstrengend finde. Asiatisches Kino scheint mir außerdem mit sexuellen Themen freier umzugehen. „Stoker“ ist voller spannender Momente und sehr explizit in seinen Symboliken ohne allzu oft nackte Haut zu zeigen. Wir vergessen zu oft, dass wir unter dem Schutz unserer Kleider immer noch Menschen sind, die begehren und denen schon der Anblick eines Grashalms einen lustvollen Moment verschaffen kann –

… jetzt muss ich ein bisschen über mich lächeln. Ich wollte „Gods of egypt“ wirklich unter den Tisch fallen lassen. Das Teil ist einfach furchtbar, CGI wohin man schaut, eine Story von biblischem Ausmaß, die aber doch nur auf Disneyniveau von den Potenzproblemen eines Gottes handelt – jaha, im alten Ägypten haben nur die vom vielen Inzest impotenten Herrscher Obelisken aufgestellt. Irgendwas muss ja die Erektionsstörungen wettmachen und wenn es der Tod von Sklaven ist. Die grausige Perücke von Brenton Thwaites‘ Bek wird mir bestimmt noch in Alpträumen begegnen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s