Gestochen HD

Oh je, mein Medienkonsum hat leider in den letzten zwei Wochen Überhand genommen. Um mir vorzugaukeln, wenigstens etwas Sinnvolles mit meiner Zeit angefangen zu haben, rede ich darüber.  Ich hab mal einem Freund gegenüber postuliert, dass ich glaube, Konsum wäre das womit uns die „Generation Kapitalismus“ in Schach hält, damit wir uns nicht weiterentwickeln indem wir zuviel nachdenken – ich bin mir bis heute nicht sicher, wieviel Wahres darin steckt.

STAR TREK: BEYOND – Ich bin ein Fan der Serie, Altes, Neues, das meiste bis 2002 hab ich gesehen. Meine Mutter hat mich irgendwann in meiner Kindheit damit angefixt, weil sie Mr. Spock mochte. Ich hab meine Schulzeit mit Leuten verbracht, die tatsächlich Communicator mit in den Unterricht brachten (ich bin mir nicht sicher, ob sie Phaser unter der Bank versteckten) und ihre Facharbeiten darüber schrieben, ob Beamen tatsächlich möglich wäre. Als also jüngst damit begonnen wurde, neue Filme zu machen und mit J.J. Abrams tatsächlich ein Regisseur/Produzent engagiert wurde, der meiner Meinung nach Ahnung hat von dem was er da tut, hab ich mal wieder reingeschaut. Ich hab mir schon am Anfang des ersten Teils die Augen aus dem Kopf geheult, liegt auch ein bisschen an den Lensflares, damit übertreiben sie ein bisschen. Ich mag die Teile: Charaktere liebevoll neu angelegt, Geschichte plausibel im Universum verankert und so gut erzählt, dass man zumindest beim ersten Anschauen nicht merkt, wo die Lücken sind und gute Musik. Liebe Leute, die ihr nicht aufhören könnt, schlechte Star Wars-Filme zu machen: Da sollte es hingehen. (Ja, ich weiß „Beyond“ wurde nur von Abrams produziert, hier führte Justin Lin Regie, der u.a. zwei „Fast&Furious“-Sequels verbrach.)

GUARDIANS OF THE GALAXY: Nachdem ich jüngst „Dr. Strange“ im Kino sah  und einige Wissenslücken feststellte, holte ich diesen Film nun der Infinity stones wegen nach. Ich war zum Zeitpunkt als er lief wegen Dave Bautista (als Wrestler gefällt er mir besser) interessiert aber anderweitig beschäftigt… ah, jetzt fällt mir auch wieder ein, warum ich wieder ein schlechtes Gewissen meines Medienkonsums wegen hatte: Das Ding hier ist so manipulativ angelegt ein Knaller zu werden, dass ich kotzen könnte. Ich kann den Hauptdarsteller nicht ausstehen (dessen Ausdrucksvermögen gehört in eine Kategorie mit Ryan Reynolds, den ich mit oder ohne Maske einfach nur nichtssagend finde – ja „Deadpool“ fand ich auch beschissen), das Design sieht eher nach Yu-Gi-Oh als nach Marvel-Comic aus, vor lauter Action kam mir die Story unzusammenhängend vor – aber vielleicht gibt es auch einfach keine. Mein Augentrost ist Zoe Zaldana, aber die kann das hier leider auch nicht retten. Und so langsam ist die Comic-Verfilmungs-Kuh auch müde durch das Dorf gejagt zu werden.

Einzige Überraschung war ein alter Schinken – FITZCARRALDO. Ich leihe ganz gern immer was Altes und/oder was Deutsches mit aus. Hier hab ich das erste Mal gesehen, was ein Freund von mir damit meinte, als er sagte: Amerikanische Filme werden immer mit Backstorys erzählt. (Meint, dass die Charaktere und ihre Motivationen immer erklärt werden und nicht einfach nur eine Geschichte erzählt wird.) Dieser Film von Werner Herzog war reine Geschichte: über große Träume und über Opern. Erzählerisch leise (akustisch wegen der Opern laut) aber konsequent und wunderschön, konnte man Klaus Kinskis Fitzcarraldo folgen auch ganz ohne dass etwas über seine tragische Kindheit erzählt wurde oder erklärt wurde, warum Claudia Cardinales Molly sich berufen fühlt, Fitzcarraldo finanziell zu unterstützen. Auch hier habe ich am Ende geweint als die schlagseitige „Molly Aida“ mit dem Opern-Ensemble den Fluss hinunterschipperte und Fitzcarraldo sein Versprechen an ein Schwein einlöste.

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