Haus des Lebens

Ursprünglich hatte ich vor, aus der Geschichte, die aus der Feder von Rainer Wessels stammt, eine Art Graphic Novel zu machen. Ich hatte mir als Ziel gesetzt, das Haus in seinen drei Ebenen (das physische Haus, die Zeiten und die sich ständig verändernde Protagonistin) nur aus der Perspektive der Hauptfigur zu zeigen.

Die Hauptfigur, Mara, ist ein dreizehnjähriges Mädchen, dass nach dem Aufwachen feststellt, dass sich in jedem Zimmer, das sie betritt, die Zeit ändert: Die Räume zeigen eine Zukunft oder Vergangenheit und Maras Körper verändert sich entsprechend. Jedoch bleibt Mara immer im Bewusstsein des dreizehnjährigen Mädchens.

Beim Zeichnen stellte ich jedoch fest, dass diese Idee zeitaufwändiger ist, als ich dachte und schob zum Geburtstag des Autors dieses Gemälde ein. Es ist der Versuch, die komplette Geschichte in einem Bild auszudrücken.

Und ja: Auch meine Selbstzweifel haben dazu beigetragen, dass sich die Arbeit verzögert. Wer würde nicht zögern, wenn die eigene Vorstellung bedeutet, dass man die Geschichte eines anderen ändern muss?

Somit bleibt es vorerst bei dieser Verdichtung der Geschichte in einer Zeichnung. Ich habe hier mit unterschiedlichen Perspektiven und Perspektivverschiebungen in den Räumen gearbeitet, je nachdem wie panisch Mara in dem jeweiligen Raum ist. Am verzerrtesten sind das Bad und das Elternschlafzimmer, während die meisten anderen Räume in der Draufsicht zu sehen sind. Ich habe auffällige Bodentexturen benutzt, da diese für einen Betrachter gefühlsmäßig nachvollziehbar sind: Fliesen sind kalt, Holzböden sind leicht klebrig mit nackten Füßen. Bei den Farben habe ich versucht, mich an die Tageslichtstimmungen der Geschichte zu halten, habe jedoch auch hier dem Gefühl einige Zugeständnisse gemacht – so ist das Elternschlafzimmer rot, als farbliches Sinnbild für den Nukleolus/ die Gebärmutter.

Im ersten Entwurf (dieses Bild ist der insgesamt dritte) habe ich auch den anderen Figuren der Geschichte Persönlichkeit verleihen wollen. Auch hier habe ich mich nach Gesprächen mit dem Autor umentschieden und sämtliche andere Figuren gesichtslos belassen, da dies das Gefühl der Einsamkeit, die in der Geschichte bewusst durch das Auslassen der Namen als empathischem Bezugspunkt, herbeigeführt wird, noch verstärkt.

Obwohl Maras dreizehnjährige Persönlichkeit während der Geschichte in panischem Zustand herumläuft, habe ich die Gesichtsausdrücke der verschiedenen Maras nicht so gewählt. Die Gesichter spiegeln mehr das wieder, was jede unterschiedlichen Maras dem dreizehnjährigen Ich in meiner Fantasie zurückwerfen würde, wenn sie in der Situation wären: die Alte, die schon alles gesehen hat, ein mildes beruhigendes Gesicht, die Mara Anfang zwanzig ein gespanntes Lächeln, die Mutter einen wachsamen Blick, die Mara in ihrer Selbstfindungsphase um die fünfzig ein irritierter Gestus (wenn man plötzlich feststellt, wer man mal gewesen ist und was man alles über sich selbst vergessen hat) und das Kleinkind ein berückt nach Zuneigung suchendes Lächeln mit geschlossenen Augen.

Zuletzt das Spinnennetz als Rahmen, in dem alles angeordnet ist: In Afrika ist die Spinne das Tier, dem die Rolle des Geschichtenerzählers zugeschrieben wird, denn sie webt ihre Netze und Erzählungen mit feinem Faden.

Ich danke Rainer Wessels für seine Auskunftsbereitschaft über die Geschichte und auch Schreibprozesse im Allgemeinen und ich danke Gabriel de Vue, ohne die ich nicht bemerkt hätte, dass ich tatsächlich schon ein bisschen eigenen Stil beim Zeichnen entwickelt habe.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s